2016-03-20

99 Tage bis Deutschland.

Hey ihr alle!

Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich seit langem nichts mehr gepostet habe, aber ich bitte wirklich um euer Verständnis. Alle Austauschschüler kommen nun wirklich an einem Punkt an, an dem das Leben ganz normal geworden ist. Für mich ist nichts mehr wirklich neu und dennoch stehe ich jeden Tag mit einem unglaublich guten Gefühl auf. Was passiert heute? Was werde ich machen? Wie kann ich meine Zeit hier am besten nutzen? Was sollte ich noch verändern und wie geht das am besten?

Die Zeit wird knapp, gestern waren es noch 100 Tage. Nur 100 Tage. Jetzt sind es schon weniger. Die Zahl ist 2-stellig geworden. Bald ist nurmehr ein Viertel des Austausches übrig und doch fühle ich mich oft, als wäre ich erst gestern hier angekommen. Als hätte dieses Leben erst gestern gestartet. Wie soll ich mich in weniger als 100 Tagen damit zurechtfinden, mein Leben zu verlassen? Das, was ich innerhalb von einem Jahr aufgebaut habe, wo sich alles abspielt, was mir unglaublich viel bedeutet.

Bulgarien ist einfach das schönste Land, was ich mir zum Leben hätte erträumen können. Meine Situation hier ist perfekt. Die Leute sind so unglaublich freundlich und einfach anders als in Deutschland. Aber um ganz ehrlich zu sein, ich habe schon ziemlich vergessen, wie Deutschland eigentlich war, was ich dort den ganzen Tag gemacht habe, wie die Schule war, und einfach alles.

Ich habe auch ein wenig Angst vor dem Rückkehren. Nicht vor den ersten Wochen, denn dort wird erstmal nichts weiter passieren, außer, dass ich meine deutschen Freunde und Familie wiedersehen kann und Dinge erledige, die sein müssen und einfach Spaß haben kann. Aber irgendwann startet die Schule wieder. Und das wird schwer. Hier habe ich auch Schule, habe Hausaufgaben, habe Tests und so weiter. Aber es steht kein Druck dahinter. Wenn ich es nicht verstehe, dann passiert nichts. Es wird sich auf mein späteres Leben nicht auswirken. Aber in Deutschland ist alles gleich sofort wichtig für das Abitur. Man darf sich keine großen Fehler erlauben, wenn man ein Abitur möchte, mit dem einem alles offen steht. Es wird einfach so schwer.

Es gab eine Zeit in meinem Austausch, nämlich die, in der ich in dieser Schule für Kunst war, wo alles unwichtig schien, außer Kunst. Dort habe ich nichts gemacht und auch nicht machen können, denn die einzige Priorität war ja eben Kunst und ich habe das Lernen vermisst und angefangen, mich dumm zu fühlen vom Nichtstun. Mit dem Schulwechsel habe ich mir geschworen, von nun an meine Hausaufgaben gerne zu machen und zu lernen, für alles, was geht. Seitdem habe ich auch eine wirkliche Balance zwischen Schule und Freizeit gefunden. Ich lerne so, dass ich alles verstehe und kann, was gefordert wird und es gibt mir ein gutes Gefühl. Das Gefühl, etwas zu können, Disziplin zu haben und trotzdem bin ich nicht überfordert, was vielleicht auch daran liegt, dass bulgarische Schule nicht zu lange geht und man danach die Möglichkeit hat, sich kurz auszuruhen, dann Hausaufgaben zu machen und zu lernen.

Dann ist es vielleicht 16:30 oder 17:00 Uhr und man kann das machen, was man möchte. Sport, Freunde treffen, Lesen, Filme schauen, die Sprache lernen, und so weiter. Das ist einfach perfekt und gerade deshalb habe ich ein wenig Angst vor Deutschland. Dort komme ich dann meistens erst 16:XY Uhr nach Hause und mache Hausaufgaben und lerne. Aber der letzte Teil, um den Tag ruhig ausklingen zu lassen, der wird einfach fehlen, beziehungsweise zu kurz kommen.

Hmm, mehr weiß ich jetzt erst einmal nicht zu schreiben, aber der nächste Blogeintrag kommt bestimmt. Bitte habt aber auch Verständnis dafür, dass ich mein Leben hier einfach noch genießen möchte, mich ein wenig auf mich selbst konzentrieren will und deswegen vielleicht nicht mehr wie früher jede Woche etwas schreiben kann oder will. :)

Bis bald!
Suzi

1 Kommentar:

  1. genieß die zeit noch. ich freu mich über jeden (seltenen) bericht.

    lg aus berlin, jana

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